Bluesky, Mastodon & Co – Konkurrenz für Twitter

Dass es spätestens seit der Übernahme durch Elon Musk bei Twitter nicht mehr rund läuft, dürfte sich rumgesprochen haben. Bei aller Traurigkeit, dieses einst wunderbare Netzwerk untergehen zu sehen, liegt darin auch eine Chance. Bluesky, Mastodon und andere Anbieter schaffen neue Plattformen für Menschen, die gerne kurz und knackig per Text kommunizieren.

Mastodon ist schon seit einiger Zeit ein großer Kandidat für eine Alternative zu Twitter. Dieses dezentrale Netzwerk erinnert stark an Twitter, verteilt jedoch die Verantwortung auf viele einzelne Instanzen, also Server und ihre Administrator*innen. Das geht, weil es auf einem offenen Protokoll beruht, sodass jede*r mit Serverkenntnissen eine eigene Instanz erstellen kann – wie wir unter Bonn.social. Auch gibt es immer mehr Anbieter, die das für einen erledigen (Beispiel). Wir haben an dieser Stelle schon zwei Mal über Mastodon geschrieben.

Neue Anbieter auf dem Markt

Einblick in Substack Notes
Substack Notes sind derzeit eher Verbreitungsmöglichkeit für Newsletter-Autor*innen

Doch auch neue Alternativen betreten die Bühne: Der Newsletter-Dienst Substack bietet seit einiger Zeit Substack Notes an, die sich allerdings noch im Anfangsstadium befinden. Derzeit tauschen sich da eher die Betreiber*innen der Newsletter und deren Konsument*innen aus. Nach einer kurzen Welle scheint der Trend zumindest im deutschsprachigen Internet schon wieder abgeflaut zu sein.

Instagram probiert ebenfalls seit einigen Wochen, Text zu integrieren. Mit den „Notizen“ können nur 60 Zeichen getippt werden und die sie sind auch noch in den Direktnachrichten versteckt. Es gibt nicht viele Instagrammer*innen, die die Funktion nutzen. Ich rechne damit, dass die Funktion bald wieder eingestellt wird. In diesem Reel erklären wir die Funktion.

Bluesky: das Netzwerk der Stunde

Mit viel Tamtam hat in den letzten Tagen Bluesky den Weg ins deutschsprachige Internet gefunden. Den Nutzer*innen stehen dort 300 Zeichen zur Verfügung, ansonsten erinnert alles sehr stark an Twitter. Kein Zufall: Bluesky wurde von Twitter-Mitgründer und damaligen CEO Jack Dorsey angestoßen und sollte Twitter für andere Server öffnen. Bluesky arbeitet seit 2021 von Twitter losgelöst an einem eigenen offenen Protokoll, dem sogenannten AT Protocol. Es ist geplant, es irgendwann freizugeben, sodass man eigene Instanzen aufmachen und mit den anderen verknüpfen kann. Genauso wie Mastodon und das Fediverse also, aber ohne Vernetzung mit dem Fediverse und vermutlich zentral kontrolliert.

Eigene Domain auf Bluesky möglich

Account der Washington Post auf Bluesky.
Die Washington Post hat gleich Standards bei Bluesky gesetzt

Bis es so weit ist, kann man immerhin eine eigene Domain als Usernamen nutzen, ich beispielsweise @mirus.social. Das geht ganz leicht, wenn man Zugriff auf die DNS-Einstellungen der Domain hat (und weiß, wie man dort einen TXT-Eintrag hinterlegen kann). Dennoch läuft alles über den bsky.social-Server, die Registrierung dort ist momentan alternativlos.

Auffällig bei Bluesky ist die amerikanische Dominanz. Institutionen wie die Washington Post, Aktivist*innen wie Chelsea Manning und Politiker*innen wie AOC sind dort schon sehr aktiv. Amerikanische Medien zitieren sogar schon aus dem Netzwerk. Es fühlt sich sehr wie Twitter 2007/2008 an.

Bluesky ist derzeit noch Invite-only, man kommt also nur über Einladungen bestehender Nutzer*innen rein. Das wird sich sicher bald ändern. Man kann sich zwischenzeitlich auf die Warteliste setzen lassen.

Bluesky, Mastodon – Wer setzt sich durch?

Es tut sich also einiges auf dem Markt der textbasierten Kurznachrichtendienste. Die wenigsten werden den Hype überstehen, aber es ist mehr als offensichtlich, dass sich Twitter derzeit selbst abschafft und andere Anbieter in die entstehende Lücke springen.

Die Zukunft muss meiner Ansicht nach Lösungen gehören, die nicht von einzelnen Anbietenden kontrolliert wird, egal, ob sie Musk oder Zuckerberg heißen. Persönlich ist mir das offene Fediverse aus Europa sympathisch, in das Mastodon eingebettet ist. Es besteht allerdings die Gefahr, einmal mehr von einem amerikanischen System überrollt zu werden. Ich bin gespannt und freue mich darauf, gemeinsam mit euch diese Entwicklungen weiter zu verfolgen.

Beitragsbild: uriel / Unsplash

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