7 Gründe, warum eine Vorstellungsrunde so wichtig ist

5

„So, jetzt stellen wir uns alle mal gegenseitig mit drei Hashtags vor!“ Wer schon einmal auf einem Barcamp war, kennt diese Situation. Gerade „Ersttäter“ fühlen sich unwohl, vor 100, 150 Leuten zu sprechen, aber auch alte Hasen sind deshalb nicht geborene Rampensäue. Mit unserer langen Barcamperfahrung sind uns die Vorteile einer Vorstellungsrunde klar. Aber wie kann ich Menschen davon überzeugen, die nicht diese Erfahrung haben?

Diese Frage stellte ich auf Facebook und bekam eine lange Reihe wertvoller Kommentare. Ich habe versucht, daraus sieben Gründe zusammenzufassen. (Danke an Michèle für den Tipp, das im Blog zu machen.)

Vorstellungsrunden sind wichtig, weil …

1. Barcamps sind Beteiligungsformate

Die Vorstellungsrunde macht sofort klar, worum es geht: Jede(r) muss mitmachen. Das sagt auch Daniel:

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass der ‚Zwang‘ dass jede/r mal das Mikro ergreift, deutlich macht worum es geht. Das Barcamp wird eben von den Teilnehmenden gemacht. Es bricht sozusagen das Eis der Beteiligung!

Und Luca meint:

Jeder sagt mal was, weil Barcamp mitmachen und nicht aufsaugen ist.

Es wirkt sich auf die ganze Verstaltung aus, wie Katja deutlich macht:

Wer vor mehr als 150 Leuten den Mund aufgemacht hat, dem fällt es leichter, das auch in kleineren Runden zu tun.

Und Markus fragt zurück:

wenn keiner weiß, wer was ist oder will, wie soll man da zusammenarbeiten?

2. Sie schaffen Augenhöhe

Das Format Barcamp dreht sich vor allem darum, auf Augenhöhe Wissen auszutauschen. Die Vorstellungsrunde ist ein Kernelement, um diese Augenhöhe herzustellen. Wie Jan sagt:

Alle sagen was, alle werden gehört.

Auch Domingos ergänzt:

Die Vorstellungsrunde stellt eine Art Verbindung her.

Oder wie Benjamin sagt:

Aus Informations-Konsumenten wird eine aktive Community.

3. Es entstehen Gespräche

Vor allem für Neulinge ist es wichtig, Anschluss zu finden und Menschen kennenzulernen. Weil man sich schon einmal vorgestellt hat, wird man direkt angesprochen. In meinem Posting erzählen Barcamper von ihrem ersten Mal, zum Beispiel Siegbert:

Es haben mich sehr sehr viele Menschen angesprochen, ich habe viele nutzbringende und menschlich angenehme Gespräche geführt.

Oder Hermine:

Ich wollte auch nur gucken. Und dann musste ich was sagen, und dann wurde ich angesprochen, und dann redete ich einfach mit.

4. Neulinge werden nahtlos integriert

Ein schöner Kommentar kam von Alexandra:

Ich war letztes Jahr Neuling und war daher auch aufgeregt, aber die Vorstellungsrunde gab mir das Gefühl, Teil des Ganzen zu sein – und kein Außenseiter.

5. Es lockert die Stimmung

Barcamp-Profi Jan sagt dazu:

Es wird Persönlich und die Menschen werden nahbar, vor allem wenn sie auch ‚private‘ Tags verwenden oder sagen, wie sie sich fühlen.

6. Es entstehen dadurch neue Sessions

Eine tolle Geschichte erzählt Ute:

Ich kann vom BarCamp Würzburg 2016 berichten, dass sich drei Leute nur aufgrund eines Hashtags in der Vorstellungsrunde kennengelernt haben. Einer hat mit #bierbrauen angefangen, der Nebenmann hat strahlend das aufgegriffen und der dritte hat quer durch den Raum gerufen: ich auch. Daraus entstand eine Session, die drei sind immer noch in Kontakt …

7. Man lernt Gleichgesinnte kennen

Stephanie sagt:

Ich finde es immer total interessant herauszufinden, ob Leute da sind, die ähnliche Interessen haben wie ich oder auch aus einem ähnlichen Bereich kommen.

Auch Benjamin hat das so erfahren:

Ich bekomme das Gefühl mit den Themen die mich umtreiben nicht alleine zu sein.

Es gibt auch Einwände

In dem Kommentarstrang gab es natürlich auch berechtigte Einwände. Gerade Neulinge kennen vielleicht nur nervige Vorstellungsspielchen von Workshops oder fühlen sich einfach unwohl, sich inmitten lauter Fremder zu präsentieren. Viele berichten davon, wie sie sich erst einmal überwinden mussten, aber wie Luca so richtig anmerkte:

Den anderen geht es nicht anders.

Die Frage, wie viel wertvolle Zeit durch eine Vorstellungsrunde verloren geht, ist ebenfalls angebracht. Es ist Aufgabe der Moderation, für eine straffe Durchführung zu sorgen, weil man selbst mit nur drei Hashtags ins Reden kommen kann. Ute berichtet:

Ich hab 2015 mal die Zeit mitgestoppt. Bei 75 Leuten hat das 8 Minuten gedauert. Mit etwas Disziplin geht das Ganze wirklich schnell.

Die Frage ist natürlich, was bei wirklich großen Barcamps mit mehr als 150 Teilnehmern funktioniert. Könnten 500 Personen sich noch in einem angemessenen Rahmen vorstellen? Henning sagt nein:

Eine klassische Vorstellungsrunde haben wir deshalb schon seit ein paar Jahren nicht mehr. Was wir machen, sind kleine Kennenlernspielchen, die mit den direkten Nachbarn funktionieren.

Kein Barcamp ohne Vorstellungsrunde

Insgesamt waren wir uns alle einig: Ohne Vorstellungsrunde könnte das Format Barcamp nicht klappen. Sie ist so wichtig wie der leere Sessionplan, sollte aber kein Selbstzweck werden. Und wenn eine kritische Masse überschritten wird, sind andere Methoden des Kennenlernens und der Herstellung von Augenhöhe gefragt.

Vielen Dank an alle Mitdiskutanten!

Beitragsbild: Gunnar Sohn, Vorstellungsrunde beim BarCamp Bonn 2016

Hilf uns Bonn digi­ta­ler zu machen und teile die­sen Bei­trag!

5 KOMMENTARE

  1. Ich hatte vergessen was bei Facebook zu schreiben, deshalb kommentardingse ich einfach hier! Der Knackpunkt sind glaube ich nicht die Neulinge, ich sehe es auch so, dass jeder zumindest in der Lage sein sollte seinen Namen und ein bis drei Schlagworte zu sich zu sagen. Das Problem sehe ich eher darin, dass die ganzen professionellen Selbstdarsteller eben _nicht_ die Disziplin haben sich in drei “Hashtags” (also Schlagworten) zu beschreiben.

    Beispiel: “Hallo, ich bin Martin und meine Hashtags sind Gangsta-Rap, Goldketten und Schusswaffen”. Das ist top, dauert etwa 10 Sekunden.

    Ich kann jetzt nur von einem Barcamp berichten, mir ist da aber ziemlich oft dieser Kandidat aufgefallen:
    “Hallo ich bin Klaus-Dieter “@kdkrubbel mit zwei ‘B’ bei Twitter und Instagram und obwohl ich schon über zwanzig bin auch Snapchat LOL” Krubbel von “weh-weh-weh Punkt Klaus Bindestrich Dieters Bindestrich privater Bindestrich Homepage Punkt de-eh Punkt vau-uh und meine Hashtags sind… Socialmediaoverkill durch Crossposting in jedem Kanal dem mir einfällt egal ob es da jemanden interessiert. Ich blogge über die Weißwursttradion in der Süd-Ukraine und außerdem betreibe ich einen semiprofessionellen Webring für den genau so semi-legalen Import von Heilkräutern die von klaustrophoben kleinwüchsigen Holländern auf dem Deich gezüchtet werden.” Ich balle die Faust in meiner Hosentasche.

    Da hilft es dann halt auch nicht, wenn man so schnell spricht, dass es den Anschein hat alle Worte wären mit Bindestrichen verbunden. Deshalb habe ich in der Runde nach knapp einem Drittel auch abgeschaltet. Keine Ahnung wer all die Leute waren. Vielleicht hilft da ein bisschen striktere Moderation? ;-)

    P.S. Spaß hatte ich natürlich trotzdem und freue mich schon auf die nächste Veranstaltung.

  2. […] Das BarCamp sollte in diesem Jahr über zwei Tage gehen. Der erste war schon am Freitag gewesen und stand unter dem Motto „Bonn bewegen“. Am Samstag ist dann aber die gewohnte offene Veranstaltung. Langsam aber sicher füllt sich das Foyer im zweiten Stock mit Menschen, um zehn Uhr geht es dann nach einem leckeren Frühstück mit belegten Brötchen auch richtig los. Die Vorstellungsrunde ist in diesem Jahr sehr zügig vorbei. Fast alle halten sich an die Name und zwei Hashtags!-Vorgabe. Da hätte ich im Vorfeld ja vielleicht gar nicht so schimpfen müssen. […]

KOMMENTIEREN

Please enter your comment!
Please enter your name here