Save Social Report: jetzt auch auf Englisch

Dezentrale Social-Media-Plattformen, Fediverse und Europas digitale Souveränität

Europa diskutiert digitale Souveränität, aber ein zentraler Hebel wird oft unterschätzt: Social Media. Wenn ein paar wenige Plattformen mit ihren Algorithmen steuern, was Menschen sehen, wem sie glauben und wie Debatten verlaufen, ist das nicht nur ein Kommunikationsthema, sondern demokratische Infrastruktur. Dazu hat Sascha vor Kurzem gemeinsam mit Björn Staschen von Save Social sowie Clara Ruthardt und Charlotte Freihse von der Bertelsmann Stiftung den Save Social Report geschrieben, der ab sofort auch auf Englisch verfügbar ist.

Warum digitale Souveränität in Europa auch eine Social-Media-Frage ist

Die digitale Öffentlichkeit in Europa wird heute stark von wenigen Tech-Konzernen geprägt. TikTok, Instagram, YouTube oder X bestimmen über ihre Algorithmen, welche Inhalte sichtbar werden und welche Diskussionen Reichweite bekommen. Dahinter stehen Geschäftsmodelle, die vor allem darauf ausgerichtet sind, möglichst viel Aufmerksamkeit zu binden. Das schafft Abhängigkeiten, macht den Schutz persönlicher Daten schwieriger und kann gesellschaftliche Spaltung verstärken. Denn die Logik dieser Plattformen zielt nicht auf inhaltliche Qualität, sondern auf Klicks und lange Nutzungszeiten. Für Europa ist das ein strukturelles Problem, weil die Regeln dieser digitalen Öffentlichkeit außerhalb unseres Einflusses entstehen. Wer die Infrastruktur der Debatte nicht mitgestaltet, bleibt abhängig von Regeln, die anderswo gemacht werden.

Was dezentrale Social Media anders machen und wie das Fediverse funktioniert

Dezentrale Social-Media-Plattformen setzen auf offene Protokolle statt auf geschlossene Ökosysteme. Im Fediverse ist das vor allem ActivityPub, bei Bluesky ATProto. Das bedeutet: Viele unabhängige Communities können miteinander kommunizieren, ohne dass ein einzelner Betreiber alles kontrolliert. Im Social-Media-Kontext bedeutet das: Du kannst auf einer Plattform ein Konto haben und trotzdem Accounts auf anderen Diensten finden, ihnen folgen, deren Beiträge sehen und mit ihnen interagieren, ohne dir dort nochmal einen eigenen Account anlegen zu müssen. Das nennt sich Interoperabilität. Der Report erklärt verständlich, wie die Instanzen arbeiten oder wie die Moderation in der Praxis funktioniert. Konkrete Beispiele zeigen, was lokale Datenkontrolle und transparente Regeln im Alltag bedeuten.

Was du aus dem Report mitnimmst

Der Report bleibt nicht bei der grauen Theorie, sondern setzt auf Handlungsorientierung. Ja, dezentrale Netzwerke haben noch Hürden, etwa beim Einstieg, bei der Skalierbarkeit und bei der transparenten Governance (Ist nachvollziehbar und offen dokumentiert, wer die Regeln macht? Nach welchen Kriterien Entscheidungen getroffen werden?). Deshalb enthält der Report klare Handlungsempfehlungen auf drei Ebenen.

Erstens geht es darum, die Produkte besser zu machen: Nutzerfreundlichkeit erhöhen, Einstiegshürden senken und gemeinsame Qualitätsstandards etablieren, damit dezentrale Plattformen nicht nur prinzipiell gut sind, sondern auch im Alltag überzeugen.

Zweitens braucht es stärkere politische Rahmenbedingungen: Gemeinnützigkeit muss rechtlich abgesichert werden, öffentliche Förderung für dezentrale Infrastruktur sollte ermöglicht werden und Interoperabilität muss verbindlich vorangebracht werden, damit offene Netzwerke nicht gegen geschlossene Ökosysteme „anrennen“ müssen, sondern fair konkurrieren können.

Drittens ist gesellschaftliche Verankerung entscheidend: Es braucht mehr Bewusstsein für die Vorteile offener Netzwerke, mehr unabhängige Forschung und echte zivilgesellschaftliche Beteiligung, zum Beispiel über Gremien und Dialogformate, damit sich dezentrale Kommunikation als tragfähige öffentliche Infrastruktur entwickeln kann.

Warum wir als Agentur das Thema voran treiben

Als Agentur für digitale Kommunikation unterstützen wir Organisationen täglich dabei, Reichweite aufzubauen, Communities zu stärken und Risiken auf Plattformen realistisch einzuschätzen. Dezentrale Netzwerke sind für uns dabei kein „Nice-to-have“, sondern werden immer wichtiger. Vor allem dann, wenn es um Unabhängigkeit, Transparenz und die Kontrolle über die eigene Kommunikation geht. Unsere eigene Mastodon-Instanz Bonn.social zeigt genauso wie dieser Report unseren Anspruch, den Plattformwandel nicht nur zu beobachten, sondern mitzugestalten. Wer Kommunikationsstrategien plant, muss verstehen, welche Alternativen es gibt und wie sich offene, dezentrale Social-Media-Netzwerke strategisch einordnen lassen.

Neugierig geworden? Dann schau jetzt in den Save Social Report rein (hier auch auf Englisch). Und wenn ihr Beratung bei der Weiterentwicklung eurer digitalen Kommunikation braucht, beraten wir euch gerne.

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2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • @bonn.digital Was war denn das? Ich konnte da einfach kostenlos und ohne Cookies ein PDF downloaden (nein, ich war nicht angemeldet, auch nicht mit Google oder Microsoft).Jetzt bin ich verwirrt. Ist etwa gar nicht 2026 und das Internet komplett von Gier und Slop zerfressen…🤔?

    • @DerJoshDer @bonn.digital Freut mich. Schon gelesen? :)

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