Am 16.03.2018 erreichte mich eine E-Mail von Marco dos Santos Pina:

„Ich lese soeben auf der Startnext-Seite, dass Ihr Crowdfunding-Kampagnen unterstützt.
Ich habe ein Memory-Spiel über die Stadt Bonn entworfen und möchte über Startnext Geld für die lokale Produktion einsammeln. Wie genau sieht Eure Unterstützung aus?“

Ich selbst hatte mein erstes Crowdfunding für mein Forschungsprojekt 2014 erfolgreich abgeschlossen, seitdem hat mich das Thema auch nicht mehr losgelassen. Damals habe ich vieles übers Crowdfunding gelernt und mein Wissen weitergegeben. Inzwischen haben wir bei Bonn.digital auch einen Workshop konzipiert, der Startern hilft, ihre Kommunikation und das Crowdfunding selbst strategisch anzugehen und genau zu prüfen, was eigentlich ihre Ziele sind und wie sie diese erreichen können. Darüber hinaus kuratieren wir Projekte aus Bonn auf unserer Startnext-Page.

Crowdfunding ist nicht für jedes Projekt das Richtige

Wer als Ziel eine Kombination aus Geld, Sichtbarkeit, Community Building und Marktforschung hat, für den ist Crowdfunding richtig. Wer nur Geld möchte, der geht besser zur Bank.

So ein Workshop kostet natürlich Geld und lohnt sich nicht für Jeden. Jedem Starter muss darüber hinaus klar sein, dass Crowdfunding ein Vierundzwanzig-Stunden-Job, sieben Tage die Woche, ist. Solange die Kampagne läuft, gibt es keine Ruhe. Und wenn sie dann auch noch gut läuft, hat man danach ebenfalls keine Ruhe mehr. So etwas kann man nicht einfach an eine Agentur outsourcen, jedenfalls nicht bei durchschnittlichen Projekten, die etwa 10.000 € einsammeln.

Ich besprach mit Johannes das Projekt #BonnMemo. Wir waren beide überzeugt begeistert und so kam es, dass wir beschlossen in die Idee und die Menschen dahinter zu investieren. Erstmal nicht mit Geld, sondern mit unserem Wissen. Wir schenkten Sascha Maynert und Marco dos Santos Pina unseren Crowdfunding-Workshop mit den Worten: “Gebt uns einfach zurück, was ihr für angemessen haltet, wenn alles geklappt hat.”

Zuerst sollte das Crowdfunding Mitte April losgehen

Glücklicherweise konnten wir die Jungs davon überzeugen, mit dem Start bis nach dem Workshop zu warten. Hannah und ich nahmen uns also einen halben Tag Zeit, besprachen Ziele, Zielgruppen, die Kommunikationsstrategie, die Dankeschöns und alles was zum Crowdfunding dazugehört. Wir stimmten die beiden darauf ein, dass ihr Durchhaltevermögen besonders wichtig werden würde, denn am Anfang läuft es meist erstmal gut an und auch zum Ende hin, aber in der Mitte steckt die Arbeit: Da muss man die Überzeugungsarbeit leisten, dann wenn man nur 20 % seines Ziels erreicht hat, aber mehr Geld haben möchte.

Noch immer gibt es viele Menschen, die Crowdfunding nicht kennen. Anderer haben schlechte Erfahrungen gemacht, sogar ihr Geld verloren oder warten lange auf das Produkt. Crowdfunding ist keine normale Internet-Bestellung, sondern eine Investition in eine Idee oder ein Produkt. Gibt es das Produkt am Ende doch nicht, ist das Geld futsch. Darum ist das Vertrauen zwischen Starten und Unterstützern so enorm wichtig und deswegen finden sich auch die meisten Fans im lokalen Kreis: In der Familie, bei Freunden, Bekannten und Menschen, denen man im Alltag begegnet. Das sind die ersten Unterstützer.

Als wir gerade mit dem Workshop fertig waren, rief die Bundeskunsthalle an. Sie suchten eine Idee für die Lange Nacht der Museen am 2. Juni. Fünf Minuten später hatte ich die Jungs von BonnMemo vermitteln können. Es sollte der Auftakt der Crowdfunding-Kampagne werden. Sascha spielte mit den Besuchern der Ausstellung „The Playground Project“ ein XXL-Memo.

Warum finden wir BonnMemo so großartig?

So wie Sascha und Marco lieben wir Bonn. Wir haben das Museum König, Gummibärchen und die Moby Dick in unser Herz geschlossen. Als mir Marco erzählte, wie er das Spiel zusammen mit seinen Kindern entwickelt hat, die sich plötzlich mit ihrer Heimatstadt ganz neu auseinandersetzen, habe ich verstanden, was das BonnMemo bewirkt. Jung und alt kommen zusammen, diskutieren über ihre Stadt, erinnern sich, sprechen darüber. Touristen würden es als Mitbringsel lieben, es würde Weihnachten verschenkt werden und im Museums-Shop zu sehen sein. Vielleicht ist es demnächst auch Teil der Demenztherapie in Bonner Altenheimen. BonnMemo war nur ein niedliches kleines Spiel, aber mit enormen Potential. Vielleicht ist es auch nur eine spinnerte Idee, aber das wollte ich wissen.

Jetzt nähert sich das Ende der Kampagne

Es ist noch eine Woche Zeit und die Jungs schon über 70 % ihres Ziels erreicht. Sie haben tausende Menschen über ihre Kanäle und das Internet erreicht, waren im Radio und im General-Anzeiger zu sehen, haben in der Bundeskunsthalle, vor der Beethovenstatue, auf dem Hofgarten oder in Poppelsdorf einfach ihr XXL-Memo ausgepackt und mit den Menschen in Bonn gespielt. Hinter den Kulissen haben sich noch viele andere Menschen gemeldet, die mindestens so begeistert sind von BonnMemo, wie wir.

 

Kauft BonnMemo solange es nicht zu spät ist! Gewonnen haben die beiden auf jeden Fall jetzt schon. Sie können das Erleben, was auch ich beim Crowdfunding erfahren habe. Es hat für mich den Weg geöffnet in eine Zukunft, die ich mir damals nicht ausgemalt habe. Ich habe vieles gelernt, habe Menschen getroffen, die uns bis heute unterstützen und die unseren Weg seit langem mitverfolgen. Das wünsche ich Marco und Sascha auch und wir sind fest entschlossen ihre Wege und ihre Erfolge noch lange zu begleiten.

Und dann spielen wir eine kleine Runde BonnMemo im Altenheim und erinnern uns an diese verrückten Zeiten.

KOMMENTIEREN

Please enter your comment!
Please enter your name here