Der Begriff „hacken“ löst bei vielen Menschen ein mulmiges Gefühl aus, da er häufig mit Computerviren, Cyber-Kriminalität und allgemeiner Zerstörungswut assoziiert wird. Doch eigentlich stammt das Wort aus der digitalen Szene, in der die Menschen Technologien und Tools möglichst kreativ nutzen, um elegante Lösungen für gewisse Probleme zu entwickeln.

Warum soll man Beethoven hacken?

Beethoven ist eben solch ein Problem, für das wir in Bonn eine kreative Lösung benötigen. Auf der einen Seite ist er eines der wichtigsten Aushängeschilder für unsere Stadt. Man beobachte nur all die Reisebusse, die tagtäglich zum Beethovenhaus fahren oder die Diskussionen rund um das Stadtmarketing.

Auf der anderen Seite muss man Beethoven in unsere jetzige Zeit transportieren und seine Geschichte zeitgemäß und mit modernen Mitteln erzählen. Und wer weiß, vielleicht wäre Ludwig van Beethoven in der heutigen Zeit gar kein berühmter Komponist, sondern ein berühmter Hacker?

Foto: Arnulf Marquardt-Kuron

Irene Kuron, ihr Mann Arnulf Marquardt-Kuron und Niklas Bulitta gehören zu der Riege begeisterter Beethoven-Fans. Um sich auch mit anderen Liebhabern zusammenzuschließen, gründeten sie die Community „Beethoven Friends“. Doch auch sie sind es leid, dass Beethoven heutzutage ein solch angestaubtes Image genießt, obwohl es viele spannende Fakten gibt, die garantiert kaum jemand weiß. Oder wusstet ihr, dass Beethoven der erste freiberufliche Musiker war?

Von den Beethoven Friends stammte die Idee für einen Beethoven-Hackathon. Hackathon setzt sich aus den Wörtern Marathon und Hacken zusammen. EntwicklerInnen treffen sich an einem Ort, generieren Ideen, basteln, entwickeln Prototypen und vernetzen sich, um am Ende ihre Ergebnisse zu präsentieren.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir selber gar keine Erfahrungen, was die Organisation eines Hackathons angeht. Wir selbst waren bisher nur als Teilnehmer unterwegs, beispielsweise bei Bonns erstem Hackathon, der von Code for Bonn organisiert wurde. Dabei entstand auch unsere Idee zum Bonn.Wiki.

Da wir also wussten, welche tollen Ideen und Projekte bei einem Hackathon entstehen können, wollten wir den Beethoven Friends zur Seite stehen und sie bei ihrem Vorhaben tatkräftig unterstützen.

Vom Hackathon zum Hack-Day

Um den Hackathon baldmöglichst umzusetzen, begaben sich Irene und Niklas Anfang des Jahres auf die Suche nach kompetenten Projektpartnern. Darunter Steffen Hohl von YEAHmazing, das Hack.Institute aus Köln und zu guter Letzt wir.

Alle Beteiligten waren sich anfangs einig: Die Finanzierung sollte eigentlich kein Problem sein, denn die Idee ist wirklich gut und Projekte, die etwas mit Beethoven zu tun haben, kommen immer gut an!

Während der Suche nach potenziellen Partnern und Sponsoren war die Resonanz durchweg positiv. Trotzdem erwies es sich als schwierig, in der kurzen Planungsphase das nötige Kleingeld für einen großen Hackathon zu sammeln. So entschieden wir uns, den mehrtägigen Hackathon zu vertagen und mit einer kleineren Version zu beginnen. Der Beethoven Hack-Day war geboren.

An dieser Stelle möchten wir uns noch einmal bei allen Partnern und Unterstützern bedanken! Ein besonderer Dank gilt Cedric Teichmann vom Coworking Space The 9th, der uns die passende Location zur Verfügung stellte.

Foto: Arnulf Marquardt-Kuron

Obwohl die Veranstaltung letztendlich kleiner und kürzer wurde, als anfangs geplant, waren die erzielten Ergebnisse wirklich beachtenswert. Daran kann man auch sehen, welchen Wert solche Hackathons haben – sowohl für die Stadtgesellschaft, als auch für zukünftige Sponsoren, die das große Projekt nun fleißig unterstützen dürfen.

Was wir beim Hack-Day und dessen Organisation gelernt haben

Durch die Organisation und Durchführung des Beethoven-Hack-Days haben wir gelernt, wie ein größerer Hackathon bestmöglich ablaufen sollte. Wir haben sicherlich nicht ausgelernt, aber vielleicht helfen auch euch diese 5 Tipps, selbst einen Hackathon auf die Beine zu stellen.

  1. Die Dauer
    Aus der Feedback-Runde wurde schnell klar, dass der halbe Tag zu knapp bemessen war, um richtige Prototypen zu entwicklen. Aber einen dreitägigen Hackathon konnte sich auch keiner vorstellen, da es schwierig sei, so viel Zeit am Stück zu blocken. Vielleicht steigt die Bereitschaft, wenn es attraktive Preisgelder gibt und die Qualität und der Ruf der gesamten Veranstaltung stimmen. Wir sind der Meinung, dass ein zweitägiges Event ein guter Kompromiss wäre und durchaus machbar sind. Wenn die Motivation stimmt (Spaß, Preise, Prestige etc.) könnte man doch sicherlich auch mal ein Wochenende opfern.
  2. Die Teilnehmerstruktur
    Damit ein Hackathon attraktiv genug ist, bedarf es einer guten Mischung an Teilnehmenden. Es reicht nicht, wenn ausschließlich Frontend- oder Backend-Entwicklerinnen und -Entwickler vor Ort sind. Auch Designer und Content Creators sind gefragt, denn nur so lassen sich am Ende des Tages kreative Prototypen präsentieren. Zudem macht es in einer Peer-Group von Gleichgesinnten deutlich mehr Spaß, kreativ zu arbeiten und sich mit guten Ideen gegenseitig zu befruchten.
  3. Die Familienfreundlichkeit
    Wer hätte es gedacht: Auch Hackathon-Teilnehmende haben oftmals Familie. ;) Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Hack-Days hätten gerne ihre Kinder mitgebracht, doch mangels passender Angebote sind die dann doch lieber zuhause geblieben. Es wäre also super, wenn es auch ein passendes Rahmenprogramm für Kinder und Jugendliche geben würde, beispielsweise ein kindgerechter Mini-Hackathon. So können Eltern und Kinder dennoch ihr Wochenende gemeinsam verbringen.
  4. Kein Recruitings
    EntwicklerInnen gehören zu einer sehr begehrten Berufsgruppe. Wenn diese Personen also ihre wertvolle und knapp bemessene Freizeit für einen Hackathon opfern, der in erster Linie Spaß bringen soll, dann möchten sie ungerne währenddessen für private, weniger lukrative Projekte rekrutiert werden. Natürlich gibt es auch Hackathons, die absichtlich aus Recruiting-Zwecken organisiert werden. Falls das der Fall sein sollte, ist es unserer Meinung nach die Pflicht des Veranstalters, dies auch transparent zu kommunizieren. Das ist nicht nur für die Teilnehmenden wichtig, sondern gegebenenfalls auch für die Unternehmen, die ihre eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu diesen Veranstaltungen schicken. Niemand möchte sich aufgrund eines Hackathons nachträglich neue Kollegen suchen müssen. ;)
  5. Frauen müssen aktiv angesprochen werden
    Es gibt so viele kompetente Entwicklerinnen und IT-affine Frauen, aber diese müssen auch aktiv angesprochen werden. Beim Hack-Day hatten wie leider nur eine Frau und eine weibliche Kollegin an Bord und das muss beim nächsten Mal definitiv anders laufen. Wir wünschen uns eine ausgewogene Mischung an Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

Nachdem wir diese Erfahrungen machen durften, begeben wir uns nun in die Planung des großen Beethoven-Hackathons. Wer uns dabei unterstützen oder auch einfach nur dabei sein möchte, darf sich gerne bei uns melden!

2 KOMMENTARE

  1. Danke für die Zusammenfassung dieses schönen Events. Das Thema “Beethovens Taufkirche” mit seinem Cross Over von Musik und Architektur und einer gehörigen Dosis Geschichte war ja wirklich superspannend. Ich habe jedenfalls eine Riesenmenge über meine Heimatstadt gelernt und einen tollen Nachmittag verbracht.

    Sascha hat es ja schon gut zusammengefasst. Klar will man am Ende eines Hackathons ein Ergebnis präsentieren. Aber noch viel wichtiger ist das gemeinsam produktiv sein. Das mit dem Kinder-Track ist vielleicht gar nicht so verbreitet, aber eine verdammt gute Idee, will man doch die Veranstaltung an einem der “Samstags gehört Papa uns”-Tage machen. Ich freue mich jedenfalls auf die Fortsetzung.

    • Danke Olav, für dein Feedback! Der Kinder-Track hat schon zu einigen Diskussionen geführt, weil das ja dann auch einiges an Verantwortung mit sich bringt, die Eltern vielleicht abgelenkt werden, etc. Aber ich glaube nur so kann man auch die nächste Generation begeistern und mitnehmen, bzw. sich mitreißen lassen!

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